Dieselben Fragen, ein Jahr später: Dr. Lars Kleeberg, Hauptgeschäftsführer des BME, spricht auf den BME eLÖSUNGSTAGEN 2026 darüber, wie sich Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) in der Beschaffung seit seinem letzten Interview mit Unite auf den BME eLÖSUNGSTAGEN 2025 seiner Ansicht nach entwickelt haben. Vieles habe sich schon getan, bei manchen Dingen sieht Kleeberg aber auch noch viel Bedarf. Denn auch wenn KI im Einkaufsprozess eingesetzt wird, werde sie noch nicht als Gesamtstrategie verstanden.
Mehr als Automatisierung
Während im vergangenen Jahr vor allem die Frage im Raum stand, wie sich Prozesse automatisieren lassen, ist die Diskussion aktuell schon weiter. Themen wie strategische Integration, bessere Daten und Prognosen sowie mehr Transparenz rücken in den Vordergrund. Damit geht es längst nicht mehr um reine Prozess- und Kostenoptimierung, sondern um die Frage, wie KI den Einkauf insgesamt verändert.
In diesem Zusammenhang betont Kleeberg auch, dass es beim Einsatz von KI nicht darum gehe, Mitarbeitende zu ersetzen. Vielmehr gehe es um Kompetenzen und die Befähigung der Mitarbeitenden, das Tool als Begleiter zu nutzen. "KI soll eigentlich mehr befähigen, soll aber auch die Last im Einkauf reduzieren, aber das durchgängig, nicht nur operativ. Sie soll auch befähigen, strategisch besser arbeiten zu können" so Kleeberg.
Warum KI immer noch keine Chefsache ist
Trotz vieler Fortschritte sieht Kleeberg weiterhin Defizite. In vielen Unternehmen werde KI noch immer nicht als Gesamtstrategie verstanden. Vielmehr ginge der Einsatz eher punktuell von einzelnen Mitarbeitenden aus. Genau weil der Einsatz von KI oft nicht ganzheitlich systemisch angegangen wird, bleibe das Potenzial hinter den Erwartungen zurück.
Ein Grund dafür liegt in den Erwartungen selbst. Wer KI ausschließlich als Kostenoptimierung sieht, greife zu kurz und werde enttäuscht werden. Vielmehr müsse man den Einsatz von KI eher als Unterstützung betrachten, mit der bestehenden Mannschaft qualitativ zu arbeiten. Dies sein ein Prozess, der dauert. Auch wenn KI-Lösungen schnell und dynamisch am Markt sind, braucht es seine Zeit, bis sie im Unternehmen von oben nach unten angekommen sind. "Deswegen ist es leider noch nicht zur Chefsache geworden", zieht Kleeberg ein Fazit. Damit dies geschieht sei es wichtig, den Einsatz von KI nicht als IT-Projekt, sondern als Changemanagement zu verstehen.
Auffällig ist, dass sich mittelständische Unternehmen beim Thema KI schneller bewegen als Großunternehmen. KI werde hier eher als ganzheitliches Tool angesehen und als teil der Wertschöpfungskette verstanden. Laut Kleeberg fassen Lösungen wie datengetriebene Lieferantenbeziehung oder digitale Plattformlösungen in kleineren Unternehmen schneller Fuß. Grund dafür könnten flachere Hierarchien sein, durch die Investitionen eher greifen als in Großunternehmen.
Regulatorik - Sicherheit oder Bremsklotz?
Gesetzliche und unternehmenseigene Regularien werden immer komplexer. Kleeberg macht deutlich, dass diese Richtlinien wichtig sind, um Prozesse gleich ablaufen zu lassen, Standards zu setzen und Sicherheit zu geben. Dies wiederum sind wichtige Voraussetzungen für einen verantwortungsvollen und lösungsorientierten Einsatz von KI. Kritisch werde es jedoch, wenn Vorgaben zu starr und praxisfern gestaltet seien. "Es braucht Regulatorik, aber in dosiertem Maße", so Kleeberg. Um praxisnahe Lösungen und Regularien zu finden, wünscht sich Kleeberg mehr Austausch zwischen Politik und Wirtschaft.
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