Wie blicken unterschiedliche Branchen auf aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen im Einkauf? Karsten Schmidt von der Bertrandt AG, Kivanc Karakoc von einmalbedarfe.de und Marcus Eisele von MVV Energie sprechen auf den BME eLösungstagen darüber, welche Themen den Einkauf aktuell prägen und welche Entwicklungen bis 2030 an Bedeutung gewinnen werden.
Einkauf zwischen Buzzwords und Veränderungen
Auch wenn einige Begriffe rund um Digitalisierung und KI nicht mehr nur für Begeisterung sorgen, ist KI im Einkauf längst mehr als ein kurzer Trend. Vielmehr gilt sie als nächste Entwicklungsstufe, die mittlerweile überall angekommen zu sein scheint und auf funktionierenden Prozessen aufbaut.
Mit Blick auf die nächsten Jahre rechnen die Interviewpartner mit weiteren spürbaren Veränderungen im Einkauf. "Ich kann mir kaum vorstellen, dass eine Firma im Jahr 2030 keine KI im Einsatz hat", so Eisele (MVV Energie). Vor allem KI-gestützte Systeme und Agenten sollen in vielen Bereichen des Einkaufs eine deutlich größere Rolle spielen - etwa beim Lieferantensourcing oder der Vorbereitung von Verhandlungen. Gleichzeitig bleibe der Mensch ein entscheidender Faktor. Dabei wird die entscheidende Frage sein, wo die Schnittstelle zwischen Mensch und KI-Agent liegen wird. "Ich glaube, wenn wir drüberschreiben 'human driven, agent powered', dann beschreibt das für mich den Einkauf 2030", fasst es Karsten Schmidt (Bertrandt AG) zusammen.
Wirtschaftliche und politische Anspannungen im Einkauf
Neben technologischen Entwicklungen beeinflussen auch wirtschaftliche und politische Bedingungen den Einkauf. Globale Spannungen und schwankende Preise in Bereichen wie Logistik und Rohstoffe setzen den Einkauf unter Druck. Wichtig sei hier, den Überblick über den Markt und mögliche Alternativen zu behalten, um die Bedarfe stabil und preisoptimal zu decken. Dabei spielen Themen wie Regionalität und Nähe eine wichtige Rolle.
Faktor Nachhaltigkeit steht außer Frage
Auch das Thema Nachhaltigkeit bleibt auf der Agenda. "Das Thema Nachhaltigkeit steht außer Frage. Wir können nicht so weitermachen wie bisher, wir müssen Dinge verändern", macht Schmidt (Bertrandt AG) deutlich. Gleichzeitig wird klar, dass wirtschaftliche Krisen und Regulatorien ein nachhaltiges Arbeiten erschweren können. Vor allem bei politischen Vorgaben müsse die Frage gestellt werden, wie angemessen und praktikabel sie sind und wie viel Orientierung sie Unternehmen bieten. Karakoc (einmalbedarfe.de) nennt das Beispiel des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG): "Da sind so viele Gesetzmäßigkeiten [...] geändert worden, dass Unternehmen sich teilweise unsicher sind, wie sie damit umgehen sollen". Damit werde deutlich, dass Unternehmen zwar handeln wollen, jedoch verlässliche und praxisnahe Regularien benötigen.
Dennoch scheint das LkSG ein relevantes Kriterium beim Thema Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit zu sein. Unternehmen, die sich mit diesem Gesetz befassen, können damit schon viele Maßnahmen umsetzen. Doch auch abgesehen davon spielen bereits die vermeintlich einfachsten Überlegungen eine wichtige Rolle: Was kann weggelassen oder vermieden werden? Nachhaltigkeit beginne meist dort, wo Unternehmen ihren Bedarf und ihre Prozesse hinterfragen und Ressourcen bewusster einsetzen. "Weglassen ist das Nachhaltigste, was wir tun können", so Schmidt.
KI im Einkauf – der ChatGPT-Guide für Einsteiger
KI kann Ihnen im Einkauf nicht nur bei Nachhaltigkeitsfragen helfen, sondern auch beim Lieferantenmanagement, bei der Verhandlung von Konditionen oder dem Aufdecken von Optimierungspotenzialen. Wir haben einen anfängerfreundlichen KI-Guide für ChatGPT und SAP Joule erstellt, der Ihnen dabei hilft, Einstiegshürden zu überwinden und KI sinnvoll einzusetzen.
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