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Wie KI den Einkauf verändert

Interview mit Dr. Helena Melnikov, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME)

Künstliche Intelligenz (KI) ist im Einkauf keine Zukunftsvision, sondern längst Realität. Davon ist Dr. Helena Melnikov, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V., überzeugt. Im Interview sprechen wir mit ihr darüber, wie sich Prozesse verändern und wie KI den Einkauf entlasten und beim Thema Nachhaltigkeit unterstützen kann. 

Durch KI vollzieht sich im Einkauf nach der Digitalisierung eine erneute Transformation. Mit der Analyse großer Datenmengen verändert KI die Spielregeln im Einkauf, dem Supply Chain Management und der Logistik. Laut einer Umfrage des BME ist KI im Einkauf bereits gelebte Realität. So hätten 20 Prozent der Unternehmen KI bereits heute im Einsatz, 40 Prozent planen dies in den nächsten sechs Monaten.  

Laut Dr. Melnikov kann KI Einkäufer in drei Aufgabenfeldern entlasten: Mithilfe historischer Daten, wie Lieferantenleistung oder Preisschwankungen, ist KI in der Lage, Wahrscheinlichkeiten für die Zukunft zu analysieren. Mit diesen Erkenntnissen lassen sich wiederum Einkaufsstrategien optimieren oder Risiken entlang der Lieferkette minimieren. Der zweite Bereich betrifft die Automatisierung von Routineaufgaben, wie Bestellbestätigungen oder Rechnungen zu prüfen. Auf diese Weise entlastet, können sich Einkäufer strategischeren Aufgaben widmen. Der dritte Einsatzbereich von KI liegt laut Dr. Melnikov im Umgang mit Lieferanten, wie bspw. deren Bewertung, die Analyse der Performance sowie von Lieferzeit, Qualität oder Preisen. 

Für den Einsatz von KI prädestinierte Themen sind zudem Nachhaltigkeit und die Einhaltung von Sorgfaltspflichten entlang der Lieferkette. Da KI im Stande ist, große Datenmengen in Echtzeit zu analysieren und Muster zu erkennen, lassen sich Erkenntnisse zu menschenrechtlichen oder nachhaltigkeitsbezogenen Problemen ableiten. Wo sitzen meine Lieferanten? Handelt es sich dabei um Risikoländer? Gibt es Änderungen im Lieferprozess? Diese Fragen kann KI beantworten und so helfen, Risiken zu minimieren und ökologische und soziale Standards einzuhalten. 

Der Anwendungsbereich von KI im Einkauf ist groß, damit wachsen auch die Anforderungen an die Einkäufer. Diese müssen sich laut Dr. Melnikov mit der Technologie vertraut machen und vor allem fit im Umgang mit Daten sein. Zentrale Aufgabe der Beschäftigten im Einkauf ist, große Datenmengen sinnvoll zu sammeln und in einer guten Qualität in die KI einzuspeisen. In der Datenqualität sieht Dr. Melnikov die größte Herausforderung bei der Implementierung von KI-Technologien, da sehr viele und sehr gute Daten benötigt werden. Es müssen viele Variablen, wie Lieferantendaten, Vertragsbedingungen oder auch Compliance-Anforderungen einbezogen werden, um die Komplexität des Einkaufsprozesses abzubilden. Aus diesem Grund rät sie Beschäftigten im Einkauf, viel Zeit und Ressourcen in die Datenbereinigung zu investieren und sich intensiv mit den eigenen Daten auseinanderzusetzen.  

Besonders Unternehmen, die gerade erst beginnen, KI einzusetzen, sollten am Anfang nicht zu viel wollen und mit kleinen gut definierten Projekten starten, so die Hauptgeschäftsführerin. Der BME bietet in diesem Bereich ein vielfältiges Weiterbildungsangebot.