Abonnieren Sie unseren Newsletter

    Vorname und Name

    E-Mail

    Keyvisual: Mensch & Maschine

    Mensch oder Maschine: Worum dreht sich die digitale Transformation?

    Digitale Co-Worker übernehmen immer mehr Aufgaben im B2B-Geschäft. Was Routine ist, wird nach und nach automatisiert. Für Einkaufsverantwortliche bedeutet das einen enormen Umbruch. Welche Chancen und Möglichkeiten die digitale Transformation mit sich bringt, diskutierten vier Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik mit Mercateo Vorstand Dr. Bernd Schönwälder auf den 9. BME-eLösungstagen in Düsseldorf.

    Welche Rolle spielt der Mensch dabei?

    Die Furcht, ersetzt zu werden, bestimmt häufig die Auseinandersetzung mit der Digitalisierung. Im technologischen Fortschritt einen großen Jobvernichter zu sehen, sei aber weder richtig noch zielführend, wie Marcel Hafke, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP im Landtag NRW, herausstellte: „Die Diskussion wird unter Angst geführt, aber ich würde sie nie unter Angst führen, weil neue Berufe und neue Chancen entstehen können - für die Gesellschaft und den einzelnen Menschen.“

    Um diese Chancen auszuschöpfen, müsse jeder seine menschlichen Kompetenzen ausspielen: kreativ sein, auf einen Erfahrungsschatz zurückgreifen und emotionale Intelligenz einbringen, wie Henning Böhne, Managing Director bei Kienbaum Consultants, erläuterte. „Am Ende braucht man Menschen, um aus all den Daten und Fakten Wissen zu machen und Entscheidungen zu treffen“, sagte er. So wird der Mensch zugleich Gestalter und Nutznießer des Fortschritts. Eine entscheidende Frage bleibt aus seiner Sicht, wie wir Künstliche Intelligenz (KI) und neue Technologien mit der Vielfalt der menschlichen Fähigkeiten kombinieren“, denn „das wird die Zukunft sein“.

    „Digitalisierung ergänzt den Menschen und wenn ich darüber nachdenke, Digitalisierung für mich als Ergänzung zu nutzen, dann werde ich dadurch in meiner Aufgabenerfüllung jeden Tag besser.“

    Wer sich auf die Digitalisierung einlässt und das Potenzial der technischen Helfer für sich zu nutzen weiß, der präge laut Kai Nowosel den Erfolg eines Unternehmens in Zukunft mit: „Digitalisierung ergänzt den Menschen und wenn ich darüber nachdenke, Digitalisierung für mich als Ergänzung zu nutzen, dann werde ich dadurch in meiner Aufgabenerfüllung jeden Tag besser“, so der CPO und Managing Director bei Accenture.

    Wie gestaltet sich der Einkauf in Zukunft?

    Die Rolle des Einkäufers könnte laut Branchenkennern im Zuge der Digitalisierung enorm aufgewertet werden. Dr. Vera Blazevic sieht im Einkäufer zukünftig den wichtigsten Netzwerker zu Partnern, Kunden und Lieferanten, „weil er an der Grenze des Unternehmens nach außen sitzt“, wie die Wissenschaftlerin sagte. Sie sieht in der Zusammenarbeit verschiedener Unternehmen und Plattformen die größten Chancen, um konkurrenzfähig zu bleiben und Innovationen anstoßen zu können. Im intensiven Austausch mit Kunden und Partnern bekäme ein Einkäufer dann auch besten Zugang zu Innovationsideen zum Beispiel von Lieferanten. Innovationstreiber wird in dem Sinne nicht die beste KI, sondern jeder gut vernetzte Mitarbeiter.

    Sie möchten zu diesem Thema auf den Laufenden bleiben? Jetzt abonnieren

    Damit der Einkauf diese neue Rolle ausfüllen kann, wird ihm eine Software den Rücken freihalten müssen. Während ein technischer „Co-Worker“ im Hintergrund das Tagesgeschäft abwickelt und den Mitarbeitern Routineaufgaben aus der Hand nimmt, haben Einkäufer die Gelegenheit, wichtige Partner zu finden und Geschäftsbeziehungen zu pflegen. Blazevic nannte diesen Umstand das „Zwischenspiel zwischen Restriktion und Freiheit“. Eine Software beschneidet den Aufgabenbereich eines Mitarbeiters und verschafft ihm gleichzeitig die nötigen Freiräume, sich um weitere Wertschöpfung zu kümmern.

    Die Fachexpertise ändert sich

    Um die neuen Technologien für sich zu nutzen, brauche der Einkauf laut Henning Böhne entsprechende Sachkenntnis, oder zumindest die Fähigkeit, sich diese in kurzer Zeit anzueignen: „Die Fachexpertise ändert sich, die Halbwertszeit dieses Wissens ändert sich“, sagte er. Es werde als Mitarbeiter daher notwendig, „schneller und vielleicht auch wirksamer zu lernen als in der Vergangenheit“.

    Jeder mit mathematischem Verständnis oder technischen Fertigkeiten sei dabei klar im Vorteil. Darüber hinaus müsse ein Einkäufer in der Lage sein, wirksam mit anderen zu kommunizieren. „Das Interessante ist, dass wir in der digitalen Transformation aufgrund all der Entwicklungen, die wir erleben, vermehrt mit anderen Menschen zusammenarbeiten müssen“, wie Böhne sagte. Das gelte sowohl intern bereichsübergreifend als auch extern und international. Ist das geschafft, könnten sich Einkaufsleiter darauf konzentrieren, den strategischen Einkauf zu gestalten.

    “Wir werden die Co-Worker brauchen”

    Kai Nowosel formulierte die neue Rollenfindung im Einkauf deutlich radikaler: „Das, was Einkauf heute ist, können wir eigentlich alles in die Tonne treten und dann machen wir etwas Anderes - und das ist dann auch Einkauf, allerdings mit einem anderen Prozessschritt. Der Rest wird von Robotern, Maschinen oder Co-Workern gemacht. Diese Co-Worker wird es geben und die werden wir auch brauchen“, sagte er. Das heiße nicht, dass der Mensch verdrängt werde. „Am Ende des Tages wird es immer Prozesse geben, die etwas mit Interaktion von Menschen und Netzwerken zu tun haben.“ Einkaufsprozesse, wie man sie heute kennt, könnten vielleicht automatisiert werden, ergänzte er. In Zukunft würden Einkäufern aber Aufgaben zufallen, die keine Software übernehmen könne.

    Diese Interaktion zwischen Beteiligten, das Beziehungsmanagement, werde zum Teil immer aus persönlichen Gesprächen bestehen, andererseits, so Nowosel, komme man nicht um eine zeitsparende, agile Lösung herum, um komplexe Beziehungen zu managen: Virtualität. „Im Privaten nutzen wir sie tagtäglich, warum nutzen wir nicht die gleichen Beziehungsmöglichkeiten im geschäftlichen Sinne und werden damit dynamischer, mit dem Partner intensiver und schneller?“

    Wie weit sind wir in Deutschland beim Thema Digitalisierung?

    Beim Austausch über den Stellenwert der Digitalisierung in Deutschland und die Auswirkungen auf den internationalen Ruf als Innovationsstandort machte Marcel Hafke deutlich, dass die Politik in dieser Hinsicht Rahmenbedingungen schaffen muss. Allerdings dürfe das Thema Digitalisierung dabei nicht isoliert betrachtet werden, sodass die Wirtschaft darunter leidet. Dass Deutschland bereits einige Rahmenbedingungen geschaffen hat, lässt sich anhand einer kürzlich von Euler Hermes veröffentlichten Studie ableiten. Der „Enabling Digitalization Index“ (EDI) 2018 zeigt im internationalen Vergleich von 115 Nationen, wie gut die Chancen für Unternehmen sind, um sich in einem zunehmend digitalisierten globalen Umfeld erfolgreich weiterentwickeln zu können. Hierbei belegt Deutschland nach den USA den zweiten Platz mit 75,3 von 100 möglichen EDI-Punkten. „Auch, wenn es in Deutschland noch nicht so viele globale ‚Digital Player‘ wie in den USA gibt, verfügen Deutschland und auch die Niederlande (Platz 3) über eine solide Logistik-Infrastruktur, einen hohen Vernetzungsgrad und gutes Grundlagenwissen“, sagt Georges Dib, Research Experte bei Euler Hermes und einer der Studien-Autoren. Westeuropa ist weltweit führend, wenn es darum geht, die besten Rahmenbedingungen für Unternehmen im Zeitalter der Digitalisierung zu schaffen: 16 westeuropäische Nationen landeten unter den besten 30 des EDI-Länderrankings.

    infografik edi-top10-2018

    Damit deutsche Unternehmen auch in Zukunft vorn mitspielen, rät Hafke zur Weitsicht. „Der Datenschutz ist wichtig - wenn jeder selbst darüber bestimmen kann, was mit seinen Daten passiert. Aber die Digitalisierung wird nur funktionieren, wenn es ausreichend Daten gibt, in jedem Bereich und diese vernünftig genutzt werden können.“ In diesen Tenor stimmte auch Accenture Manager Director Nowosel: „Datenschutz soweit wie nötig, aber wir dürfen deswegen Innovationspotenziale nicht verhindern.“ Seiner Ansicht nach dürfe das Thema Datenschutz nicht als Innovationsbremse vorgeschoben werden: „Wenn wir in Deutschland bleiben wollen, wenn wir Innovation vorantreiben wollen und wenn wir als Einkauf wirklich etwas mit Innovation zu tun haben wollen, dann dürfen wir das Thema Daten nicht vorschieben. Sondern müssen Wege finden, wie wir über Waren- und Lieferantengrenzen hinweg innovieren und kollaborieren.“

    Wettbewerbsfähigkeit und Innovation durch Vernetzung

    Neue Wege könnten laut Vera Blazevic immer dann gefunden werden, wenn Unternehmen miteinander kooperierten, denn durch Zusammenarbeit entstehe Innovation: „Es ist sehr wichtig, dass sich Firmen vernetzen, sowohl innerhalb des Unternehmens als auch extern mit Partnern in allen Bereichen. Das führt dazu, dass man innovativer werden kann und schließlich konkurrenzfähig bleibt. So besteht man auf dem Markt und kann den Kunden Produkte, Dienstleistungen und Lösungen anbieten, die von Wert sind.“

    Diese Partnerschaften könnten aus Sicht der Hochschulprofessorin auch dazu beitragen, die Komplexität des Themas handhabbar zu machen: „Unternehmen müssen neue Partnerschaften eingehen, zum Beispiel mit Firmen, die die digitale Transformation vorantreiben, wie Netzwerke oder Plattformen.“ Eine dieser B2B-Plattformen ist Mercateo Unite, die sich neutral zwischen den Teilnehmern positioniert und lediglich die digitale Infrastruktur für Vernetzung und Kooperation stellt.

    „Unternehmen müssen neue Partnerschaften eingehen, zum Beispiel mit Firmen, die die digitale Transformation vorantreiben, wie Netzwerke oder Plattformen.“

    Die neuen Kollegen sind Nullen – und Einsen.

    Sie sind Software und Algorithmen mit einem riesigen Gedächtnis, rechnen schneller, als es je ein Mensch könnte und geben immer alles. Etwas Wichtiges fehlt ihnen aber: ein Antrieb. Einen, den man nicht vom Strom nehmen kann und vor allem einen, der über die einprogrammierte Motivation hinausgeht. Wo kreative Menschen vorausdenken, sich vernetzen und zusammentun, genau da können Innovationen erst entstehen. Man kann sie nicht vorgeben, nicht einfordern oder errechnen lassen. „Für Innovationen braucht es Menschen, die Verantwortung übernehmen und versuchen, die digitale Transformation zu gestalten“, wie Mercateo Vorstand Dr. Bernd Schönwälder sagt.

    Sie möchten zu diesem Thema auf den Laufenden bleiben? Jetzt abonnieren

    Die gesamte Podiumsdiskussion als Podcast

    Sie möchten die Podiumsdiskussion noch einmal in voller Länge anhören? Hier haben Sie die Möglichkeit dazu.

    Wer schreibt hier?

    Portrait: Julia Melissa Rau

    Mein Name ist Julia Rau und ich arbeite als Redakteurin bei Mercateo. Als ausgebildete Journalistin habe ich mehrere Jahre für Tageszeitungen die Nase in alles Mögliche gesteckt und u.a. eine Serie über Digitalisierung geschrieben. Meine unerschöpfliche Neugier treibt mich immer wieder zu all jenen Themen, denen die Bundesregierung ein „4.0“ in den Titel gehängt hat.

    Julia Melissa Rau

    Bleiben Sie informiert!

    Digitalisierung im B2B ist heutzutage ein treibendes wie kontroverses Thema. Unsere schnelllebige Zeit und die stetigen Entwicklungen machen es jedoch schwierig, den Überblick zu behalten. Wir helfen Ihnen dabei! Tragen Sie sich für unseren News-Service ein und bleiben Sie auf dem Laufenden zu den Themen Digitalisierung, Einkauf 4.0 und E-Commerce von morgen.

    Vorname und Name

    E-Mail